Mit den Augen eines Kindes führt uns Kris Kind durch seine Wandbemalung am Kettenreaktion Artcampus in Solothurn (Schweiz). Eine dreidimensionale Streetart-Comic-Installation entstand auf dem Gelände der alten Attisholz Zellulosefabrik.
Von der Ferne wirkt das Werk beinahe unschuldig. Vielleicht auch durch die hell flächig, fast weiß gestrichene Wand. Doch bereits beim ersten Annähern sticht einem das Wort „KASSA“ in quietschfarbigen Pink ins Auge. Als ob man noch eine offene Rechnung auf dem Gelände zu begleichen hätte.
Jeden Schritt, den ich näherkomme, offenbart sich mir eine Geschichte und ich beginne in der Installation zu lesen wie in einem Comicheft. Die Wände sind geziert von minimalistischen Strichmännchen und eindeutigen Texten. So verbinden sich Bild und Aussage zu einer Einheit, um komplexe Vorgänge des Weltgeschehens und der Weltgeschichte darzustellen. Eine Aktienkurve, mit der Headline „WERTPAPIERMENSCH“, frisst sich den Weg über die Treppe hinauf und mündet im ersten Stock in einem gigantisch großen Papierhaufen.
Zehntausende Dokumente von diversen Aufzeichnungen über Bestellungen, Versandinformationen, Laborauswertungen erzählen die Geschichte einer langen Vergangenheit der Zellulosefabrik Attisholz. Manche dieser Dokumente reichen bis in die 1970er Jahre zurück. Durch die wahnwitzige Situation und Balance zwischen Distanz und Humor schafft es der Künstler, die Betrachter zu einem Denkanstoß einzuladen. Wahrlich eine Kettenreaktion.
Informationen zum Künstler unter: www.kriskind.info

Text: Klaus Brecht
Fotos: Kris Kind